Frankreich-Trip trotz Eisheiligen?
Das lange Wochenende rund um Vatertag fiel in diesem Jahr ausgerechnet in die Eisheiligen. Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für einen Karpfen-Roadtrip, denn kalte Polarluft sorgt oft dafür, dass sich die Gewässer schlagartig abkühlen und viele Karpfen ihre Fressaktivität nahezu einstellen.
Doch Feiertage richten sich bekanntlich nicht nach dem Wetter. Also machten sich Max Kleinkopf und ich trotzdem auf den Weg ins Herz Frankreichs – mit der Hoffnung, trotz schwieriger Bedingungen ein paar besondere Fische auf die Matte zu legen.
Schwieriger Start bei eisigen Bedingungen
Schon der erste Blick auf die Wetter-App ließ wenig Optimismus aufkommen: einstellige Temperaturen, Dauerregen und kräftiger Nordostwind. Eigentlich genau das Gegenteil von dem, was man sich für einen entspannten Roadtrip wünscht.
Bevor die Kältewelle endgültig über Frankreich hereinbrechen sollte, blieb uns lediglich ein halber Tag an einem flachen Krautsee. Zum Glück gelang es mir, rechtzeitig einen der aussichtsreichsten Plätze zu sichern, bevor Max kurze Zeit später nachkam.
Wir entschieden uns bewusst für eine unauffällige Taktik und verteilten mehrere kleine Futterfallen entlang unserer Uferseite. Offenbar spürten auch die Karpfen den Wetterumschwung und wollten sich vor dem Temperatursturz noch einmal richtig den Bauch vollschlagen.
Schnellstart mit schweren Fischen
Die Strategie funktionierte perfekt.
Bereits innerhalb weniger Stunden konnten wir drei Karpfen jenseits der 20-Kilo-Marke sowie mehrere wunderschöne Dreißiger landen. Besser hätte unser Frankreich-Trip kaum beginnen können.
Gerade auf einer Tour nach Frankreich ist das erste große Ziel meist schnell definiert: mindestens einen Zwanzig-Kilo-Fisch fangen. Dieses Ziel konnten wir bereits nach wenigen Stunden abhaken und die kommenden Tage deutlich entspannter angehen.
Mit Einbruch der Dämmerung hieß es allerdings zusammenpacken. Das Nachtangeln war an diesem See nicht erlaubt, weshalb wir zu einem kleinen Baggersee weiterfuhren.
Voll belegte Ufer
Schon während der Fahrt stellte sich die Frage, wie viele Angler wohl das lange Wochenende ebenfalls nutzen würden.
Die Antwort bekamen wir bereits bei der Einfahrt.
Überall leuchteten Stirnlampen zwischen den Bäumen. Fast jeder Angelplatz war bereits von französischen und holländischen Karpfenanglern besetzt. Nach längerer Suche fanden wir schließlich noch eine freie Stelle – zumindest dachten wir das.
Unser direkter Nachbar erklärte uns wenig begeistert, dass eine seiner Ruten genau vor unserem Platz liege. Der Empfang hätte freundlicher ausfallen können, doch Alternativen gab es kaum.
Also legten wir unsere Montagen vorsichtig direkt vor die eigenen Füße und beschlossen, am nächsten Morgen einen neuen Plan zu schmieden.
Der Kühlschrank öffnet sich
Am nächsten Morgen machten die Eisheiligen ihrem Namen alle Ehre.
Bitterkalte Luft, kräftiger Nordostwind und Temperaturen, die eher an den März als an Mitte Mai erinnerten. Der gesamte See wirkte wie ausgestorben und auch bei den anderen Anglern war keinerlei Aktivität zu erkennen.
Nach einem schnellen Kaffee stand fest: Hier würden wir keine Zeit verlieren.
Unser nächstes Ziel war ein See, den ich bereits von früheren Sessions kannte. Dort hatte ich in der Vergangenheit regelmäßig gute Fische gefangen.
Doch auch hier bestätigten die verlassenen Ufer den ersten Eindruck – momentan schien kaum etwas zu gehen.
Weniger Ruten, mehr Präzision
Da die Karpfen an diesem Gewässer ausgesprochen schnurscheu sind, entschied ich mich bewusst dafür, nur zwei Ruten zu fischen.
Die Montagen platzierte ich möglichst präzise direkt am gegenüberliegenden Ufer.
Der Tag verlief zunächst ereignislos. Kein Pieper, keine Bewegung – die Kälte hatte die Fische scheinbar komplett lahmgelegt.
Jetzt war es Zeit für eine andere Strategie.
Ich wechselte auf auffällige Pop-Ups und präsentierte sie als Single Hookbait direkt vor versunkenem Totholz.
Die Taktik zahlte sich aus.
Kurze Zeit später lag ein langer, wunderschöner Spiegelkarpfen im Kescher, dessen Flanke von einer markanten Schuppenreihe geziert wurde.
Zeiler-Alarm!
Zwar kein Riese, doch genau diesen Fisch hatte ich bereits einige Jahre zuvor an diesem Gewässer fangen dürfen. Solche Wiederfänge gehören zu den schönsten Momenten beim Karpfenangeln.
Regen, Wind und trotzdem nicht aufgeben
Das Wetter wurde von Stunde zu Stunde schlechter.
Starker Regen, eisiger Wind und keine Aussicht auf Besserung.
Trotzdem kam Aufgeben für uns nicht infrage.
Bei der Suche nach einem neuen Gewässer entdeckte ich auf Google Maps ein altes Kanalstück. Dort schwimmen zwar vergleichsweise wenige Karpfen, dafür aber einige außergewöhnlich schöne Fische. Außerdem versprach der Wetterbericht zumindest eine Regenpause.
Nach mehreren Stunden Autofahrt erreichten wir schließlich unser neues Ziel.
Auf der Suche nach den Kanalbewohnern
Der Kanal war für die Jahreszeit bereits stark verkrautet.
Mithilfe der Drohne konnten wir jedoch einzelne Fische entdecken und liefen anschließend mehrere hundert Meter am Ufer entlang, um freigefressene Bereiche zwischen den Krautfeldern zu finden.
Dort verteilten wir unsere Ruten möglichst weit auseinander.
Die kommenden Stunden wurden allerdings von unzähligen Brassen bestimmt.
Trotz der vielen Fehlalarme blieb ich meiner Strategie treu und setzte weiterhin auf kleine Tigernuss-Fallen anstatt auf größere, selektivere Boilies. Gerade beim Angeln auf ältere, erfahrene Karpfen habe ich mit dieser Vorgehensweise über die Jahre die besseren Erfahrungen gesammelt.
Zwei Tage, zwei Zeiler
Am frühen Morgen wurde das Durchhaltevermögen endlich belohnt.
Ein durchgehender Dauerton riss mich aus dem Schlaf.
Schon beim ersten Blick ins trübe Kanalwasser erkannte ich auf der Flanke des Fisches wieder die markante Schuppenreihe.
Noch ein Zeiler.
Zwei unterschiedliche Gewässer.
Zwei aufeinanderfolgende Tage.
Zwei außergewöhnlich schöne Zeiler.
Gerade diese beiden Fische machten den gesamten Roadtrip für mich zu etwas Besonderem. Trotz Eisheiligen, Regen, Wind und schwieriger Bedingungen bleibt diese Frankreich-Tour deshalb als „Tour der Zeiler“ in Erinnerung.
Und eines steht schon jetzt fest:
Diese Reise wird wiederholt – dann hoffentlich bei deutlich besserem Wetter.


